Donnerstag, März 15, 2012

Kann man zielgerichtete Evolution als solche erkennen?

- Schach als Analyseinstrument -


Diese Frage versucht man im Rahmen des Intelligent Design mit der sogenannten irreduziblen Komplexität wie folgt zu beantworten: Man suche in Lebewesen irreduzibel komplexe Strukturen, also solche Strukturen, die beim Weglassen eines ihrer Komponenten sofort ihre Funktion verlieren, und damit habe man eine unüberwindbare Grenze für die zufällige Entstehung dieser Struktur gefunden.
Schließlich wäre ihre Vorstufe ohne Funktion und daher im Rahmen der Evolution als nachteilig der Selektion zum Opfer gefallen. Damit könne es aber keinen zufallsevolutionären Weg hin zu der gefundenen irreduziblen komplexen Struktur geben. Diese Struktur müsste demnach gezielt entwickelt - also intelligent designed - worden sein.


Als Gegenargument kann man einwenden, dass die Vorstufe der gefundenen Struktur zwar in der Tat keine Funktion bezüglich der Endstruktur besitzt, wohl aber eine ganz andere Funktion besessen haben kann, die aus der Sicht der Endfunktion nicht mehr ersichtlich ist. Von der Vorstufe zur Endstufe hat es demnach eine funktionale Umwidmung gegeben. Eine evolutionäre Entwicklung von Vorstufe zu Endstufe per Zufallsmutation scheint so plausibel. Am Paradebeispiel des Intelligent Design soll das konkretisiert werden: Die Mausefalle ist als Mausefalle irreduzibel komplex. Wird nur eines ihrer Bestandteile entfernt, verliert sie so sofort ihre Funktion als Mausefalle, keine ihrer Vorstufen kann mehr als eine Art primitivere Mausefalle funktionieren. Aber dennoch hat die Mausefalle eine Funktion, wenn man zum Beispiel den Haltedraht, der den gespannten Bügel in seine Ausgangsposition hält, entfernt. Denn ohne diesen Haltedraht hat man immer noch eine brauchbare Klammer für größere und schwerere Dinge, die man mit Hilfe z.B. einer Wäscheklammer nicht fixieren könnte: Eine so reduzierte Mausefalle hat also die Funktion einer Klammer.


Nur weil man für das Paradebeispiel Mausefalle eine funktional umgewidmete Vorstufe gefunden hat, heisst das nicht, dass die Idee der irreduzierbaren Komplexität in biologischen System generell nicht greift, aber es zeigt einen möglichen Ausweg und damit ist die Frage nach einem Kriterium für gesteuerte bzw. designte Evolution weiterhin offen.

Ein Analysemodell: Schach


Die Art und Weise des Zustandekommens komplexer Strukturen selbst muss daher analysiert werden. Die Problematik dieses Unterfangens soll anhand des Schachspiels erläutert werden.


Das Schachspiel besitzt mehrere brauchbare Eigenschaften, die uns für das Studium evolutionärer Entwicklung hilfreich sein können. So besitzt es einen Satz an unterschiedlichen Spielregeln, die für sich genommen einfach sind, aber im Zusammenwirken komplexe Situationen ergeben können. Das Ziel des Spiels ist eine solche komplexe Struktur: Das erreichen einer Mattstellung (vorzugsweise beim gegnerischen König)! Ferner ist das Schachspiel schon eingehend analysiert, so dass man das Gesamtsystem sehr genau kennt und weitreichende Schlüsse ziehen kann. Genau das macht ja ein brauchbares Modell aus. Für die folgenden Erörterungen muss man kein Schachexperte sein, wenn man nur die Grundlagen des Schachspiels, die man überall schnell nachlesen kann, beherrscht.


Mit einem Experiment lässt sich nun der Kern der Problematik offenlegen:Gegeben sei ein Schachprogramm, das beide Farben bedient, alle Spielregeln beherrscht, selbst aber keine Stellungsbewertungen vornimmt, sondern die Figuren allein mit einem Zufallsgenerator auswählt und auch deren Zug generiert. Für den Eröffnungszug von Weiß sieht das dann so aus: Der Computer hat die acht Bauern auf der zweiten Reihe und die beiden Springer zur Verfügung, um einen legalen Zug zu machen. Das sind zehn Figuren, die intern nummeriert werden und per Zufallsgenerator wird dann eine der Nummern ausgewählt. Für die zugehörige Spielfigur werden nun die legalen Zugmöglichkeiten nummeriert und per Zufallsgenerator ausgewählt und der Zug ausgeführt. Nun wechselt das Programm zu den Figuren der schwarzen Seite und verfährt entsprechend.


Die Frage ist nun nicht, ob auf diese Weise eine Seite die andere Mattsetzen kann. Die Möglichkeit eines zufälligen Mattsetzens besteht durchaus, wenn die Wahrscheinlichkeit auch klein sein dürfte. Das kann man empirisch mit genugVersuchen klären. In diesem Modell gibt es von vornherein keine Barriere wie eine postulierte irreduzierbare Komplexität, die man überspringen müsste, um eine Mattstellung zu erreichen. Dafür ist das Schachmodell nicht ausgelegt. Aber es gibt durch die Spielregeln eine Tendenz dem Zufallsmatt entgegenzuwirken:


Wenn einem König durch eine gegnerische Figur das Schach geboten wird, dann kann der Zufallsgenerator nur noch aus einer sehr begrenzten Anzahl von Zügen auswählen. Züge, die die schachgebende Figur schlagen, Züge, die eine Figur zwischen der schachgebenden Figur und den König stellen oder Königszüge, die den König aus dem Schach herausziehen. Erst wenn es solche Möglichkeiten nicht mehr gibt, dann ist eine Mattstellung erricht. Das Mattsetzen scheitert aber ab eine bestimmte Untergrenze des vorhandenen Materials. Im einfachsten Fall kann es zum Beispiel kein Matt mehr geben, wenn nur noch die beiden Könige auf dem Spielbrett sind, weil alle anderen Figuren zwischenzeitlich geschlagen wurden. Daher: Ja, ein Zufallsmatt ist möglich.


Der Kern des Problems liegt in einer anderen Frage: Kann man erkennen, ob nicht nur das Matt, sondern die Partie als Ganzes, ein zielgerichteter Vorgang ist? Und hier kann jeder ambintionierte Hobby-Schachspieler mit einem 'Ja' antworten. Bereits nach nur wenigen Zügen - vielleicht zehn, höchstens 15 Zügen, kann man sagen, ob die weißen und schwarzen Steine per Zufallsgenerator gesteuert werden oder ob sie zielgerichteter intelligenter Steuerung unterliegen. Dafür gibt es mehrere objektive Kriterien: Zum Beispiel das Außerachtlassen von Möglichekeiten zum Materialgewinn oder nicht vorhandenes Positionsspiel etc. Hier muss man sich schon tiefer mit der Schachmaterie auseinandersetzen, doch ist ganz klar: Den Unterschied zwischen einer Zufallspartie und einer zielgerichteten Partie ist eindeutig feststellbar, eben weil das Schachspiel in seiner Komplexität gut analysiert ist.


Das kann man von unserer Umwelt, geschweige denn dem ganzen Kosmos, nicht behaupten. Wir haben eine gewisse Grundkenntnis in den Spielregeln - den Naturgesetzen - gewonnen. Wir wissen aber immer noch nicht, was alles zum Spielbrett gehört (Anzahl der Dimensionen, Reichweite der Unbestimmtheit, Frage nach der Nichtlokalität, Dunkle Materie und Dunkle Energie etc.). Wir sind Teil des Spielgeschehens und haben es daher schwerer als ein Schachspieler, der von außen auf das Spielbrett schaut und sich ein Überblick verschafft, ihm liegen prinzipiell alle Informationen vor. Uns in unserer Lebenswelt nicht. Dennoch können wir in der Sprache des Schachmodells einige Analysen diskutieren.

Abstufungen in der Zielgerichtetheit


Mit Hilfe des Modells des Mattsetzens beim Schach können nun Varianten der Zielgerichtetheit erörtert werden. Grob kann man drei Typen von Zielgerichtetheit unterscheiden:


a) Beidseitig vollständig zielgerichtete Steuerung


Wenn eine Mattstellung - egal auf welcher Seite - ein erstrebenswertes Ziel ist, dann würden beide Schachpartner zusammenarbeiten (ein sogenanntes Hilfsmatt), um schnell dieses Ziel zu erreichen. Aus der Anfangsstellung heraus braucht man nur zwei volle Züge, um eine Mattstellung zu erreichen (und das ohne auch nur eine Figur zu schlagen)! Dieses schnelle Ende kann man dann als Kriterium heranziehen. In der Tat ist zufällig ein Matt im zweiten Zug von Schwarz theoretisch möglich, aber praktisch auszuschließen. Eine solch schnelle Zielerreichung wäre in etwa im Rahmen eines Kurzzeitkreationismus zu erwarten, wo alle Bewegungen auf dem Brett zielgerichtet gesteuert sind und daher schnell zum Ziel führen, so auch im Universum: Das ganze Universum wurde in kurzer Zeit fertiggestellt und ist daher vergleichsweise jung. Deckt sich das mit den Beobachtungen im Kosmos, wenn man die Laufzeit des Lichtes entfernter Sterne betrachtet? Alle bisherigen Beobachtungen aus dieser Richtung sprechen dagegen. Auf der anderen Seite kann man sagen, dass man angesichts solch unbekannter Größen im Kosmos, wie Dunkler Materie und Dunkler Energie, mit einer endgültigen Beurteilung vorsichtig sein sollte.

b) Einseitig vollständig zielgerichtete Steuerung

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass nur eine Seite vollständig zielgerichtet gesteuert ist und die andere Seite per Zufallsgenerator die Figuren bewegt. Hier wird schon der ambitionierte Hobby-Schachspieler stets gegen den Zufallsgenerator gewinnen, was innerhalb von maximal 20 Zügen zu erwarten ist. Dies entspricht in etwa einer Schöpfungslehre, die der Gesamtschöpfung etwas mehr Zeit lässt, aber doch die Menschheitsgeschichte als solche innerhalb recht kurzer Zeit, vielleicht höchstens mehrere 10.000 Jahre, ansiedelt. Hier ist zu fragen, ob die geologischen Befunde damit in Einklang zu bringen sind. Gibt es starke Hinweise auf eine zielgerichtete Steuerung der Erd- und Menschheitsgeschichte? Radiometrische Messungen sprechen eher gegen eine solche kurze Erd- und Entwicklungsgeschichte. Doch auch die Radioaktivität ist immer noch nicht vollständig verstanden. Hier sollte mit Vorsicht beurteilt werden. Dennoch scheinen eher hohe Erdalter durch unterschiedliche Datierungsmethoden plausibel zu sein.

c) Einseitig teilweise zielgerichtete Steuerung

Hier sind auf beiden Seiten wieder Zufallsgeneratoren am Werk, nur ab und zu wird durch ein Spieler auf einer Seite dem Zufall etwas nachgeholfen, um der Gesamtentwicklung eine bestimmte Richtung zu verleihen und die Zielerreichung vor der Untergrenze der Materialknappheit abzusichern. Das entspricht eher einer theististischen Evolution und dürfte äußerlich im Rahmen des Schachspiels nur bei genauer Analyse von einer reinen Zufallspartie zu unterscheiden sein.


Obwohl diese Betrachtungsweisen zunächst plausibel scheinen, birgt gerade das Schachmodell eine interssante Alternative, die wieder den Kern des Ausgangsproblems offenlegt.

Patt-Szenarium

Sieht man sich eine Mattstellung etwas genauer an, dann ist in ihr nicht nur ausschlaggebend, dass ein Angriff auf den König nicht mehr pariert werden kann, sondern dass die so angegriffene Seite keinen legalen Zug mehr zur Verfügung hat. Jeder ausführbare Zug würde den angegriffenen König im Schachgebot belassen, was verboten ist.


Es gibt eine weitere Situation im Schachspiel, wo eine Seite nur noch illegale Züge hätte: Die Pattstellung. Im Gegensatz zur Mattstellung steht diesmal kein König im unabwendbaren Schach - ist also nicht angegriffen - dennoch kann eine Seite, die am Zuge ist, im Rahmen der Spielregeln weder den König noch eine andere Figur legal bewegen.


Interessant ist diese Möglichkeit im Schach - die normalerweise als ein Unentschieden gewertet wird - für unsere Analyse, da es die zuvor angestellte Einteilung a) bis c) vollkommen außer Kraft setzt:
Bei sonst gleichen Spielregeln soll allein ein Patt auf irgendeiner Seite für beide Spieler das Ziel sein. Aus einem Konfrontationsspiel wird ein Kooperationsspiel. Beide Spieler gewinnen, wenn ihnen eine Pattstellung gelingt und sie verlieren, wenn sie entweder nicht mehr genug Material für eine Pattstellung haben oder wenn sie - versehentlich - ein Matt fabrizieren.



Damit haben wir ein ganz neue Situation und alle Strategeme, die in der Schachgeschichte analysiert wurden, sind hinfällig, denn sie waren darauf ausgelegt den gegnerischen König möglichst ins Matt zu setzen. Äußerlich sieht alles nach dem normalen Schachspiel aus, aber wir haben ein komplett neues Spiel (in der Schachgeschichte war diese Patt-Variante nie als Spielziel formuliert, es war immer ein Konfrontationsspiel).



Für die o.a. Einteilung bedeutet das, dass im Falle a) wo beide Seiten intelligent gesteuert sind und das Patt das Ziel ist, keine schnelle Abwicklung zum Patt vorhanden ist. Eine erste Abschätzung zeigt, dass trotz kooperativem Spiel - Hilfspattstudie - von der Anfangsstellung aus ein Patt erst nach ca. zwanzig Zügen möglich ist. Eine schnelle - d.h. mit wenigen Zügen erfolgte - Zielerreichung ist ausgeschlossen. Und die Art und Weise der Zugfolge sieht alles andere als zielgerichtet aus, gerade auch dann, wenn man bei der Analyse fälschlicherweise das Matt als Ziel voraussetzt.



Wenn man im Fall b) nur eine Seite vollständig kontrolliert, dann ist immer noch ein Pattsetzen möglich, aber die Gefahr eines Mattsetzens durch den Zufallsgenerator gegeben. In der Tat ist bei einer reinen Zufallspartie die Wahrscheinlichkeit viel höher, dass die Partie durch ein Matt vorzeitig beendet wird, als dass sich ein Patt einstellt. Dadurch ist auch Fall c) mit beidseitigem Zufallsgenerator und gelegentlichem zielgerichteten Eingreifen auszuschließen.

Zur Ausgangsfrage: Kann man zielgerichtete Evolution erkennen?


Ja, aber nur dann, wenn man wirklich das wahre Ziel erfasst hat. Ein falsches Ziel vorauszusetzen würde dazu führen, dass man bei Analyse der Entwicklung jede Zielgerichtetheit ausschließt, obwohl es hinter der Entwicklung eine Zielsetzung gibt.


Meines Erachtens liegt darin das Problem von Kreationisten und Evolutionisten: Beide meinen Voraussetzen zu können, dass ein Schöpfer - bildlich gesprochen - auf Matt spielen müsste. Die einen verrennen sich dadurch in Widersprüche zu den Beobachtungen in der Natur und die anderen schließen daraus, dass es aufgrund der Beobachtungen keine intelligente Zielführung gibt. Doch in Wirklichkeit spielt der Schöpfer auf Patt.


Noch komplizierter würde das ganze dann zusätzlich dadurch, wenn die Schöpfung einst als reines Kooperationsspiel seinen Anfang nahm, aber ab einem bestimmten Zeitpunkt plötzlich die Tendenz in sich trägt konfrontativ zu agieren.


Nur eine verantwortungsvolle Schöpfungsforschung kann hier wertvolle Aufklärung leisten!

Freitag, September 30, 2011

Bin zurück! :-)

Hallo liebe Leser dieses Blogs (falls ihr nach der langen Zeit meiner Inaktivität doch nochmal auf diesen Blog schauen solltet):

Ich bin umgezogen.
Quelle: http://turmsegler.net/20091202/umzuege/
Ich würde mich sehr freuen, euch mit eurem Interesse und euren anregenden Kommentaren dort wiederzusehen!

Sonntag, April 10, 2011

Auferstehung und Transdimensionen

Im Rahmen der Frage nach dem Schöpfungshandeln Gottes wird von den Vertretern der Kirchen immer wieder betont, dass der Glaube und das, was in der Bibel dazu steht, stets mit der Naturwissenschaft vereinbar sei.

Diese Aussage verwunderte mich immer wieder, denn zum Beispiel die leibliche Auferstehung von Christus Jesus ist doch nicht im Erklärungssystem der Naturwissenschaft angesiedelt und gerät damit in einem Konflikt zur naturwissenschaftlichen Methode.

Dieser Konflikt Auferstehung vs. Naturwissenschaft scheint unauflösbar. Schließlich ist die Auferstehung dem Übrnatürlichen zugehörig und entzieht sich dem naturwissenschaftlichen Bereich. Wirklich?

In seinem neuen (dem zweiten) Jesus - Band scheut sich Papst Benedikt XVI. auch nicht vor dieser Frage. Zunächst erläutert er die Auferstehung Christi und stellt klar, dass diese Auferstehung nicht mit einem Wunder wie die Totenauferweckung von Lazarus verwechselt werden darf, sondern noch höher angesiedelt ist. Der auferweckte Lazarus war wieder lebendig und unterlag als solcher wieder der Sterblichkeit. Der Auferstandene hingegen war seit der Auferstehung nicht mehr sterblich, sondern hat zwar einen Leib, ist damit kein Geist, aber dieser Leib ist ganz anders, als vor dem Kreuzestod.

Die Kluft zur Naturwissenschaft wird damit sogar noch größer, wie es scheint. Doch dann gibt Benedikt XVI. folgende Erklärung nach der Beschreibung der Einmaligkeit dieser Auferstehung ab [1]:

Aber kann es wirklich so gewesen sein? Können wir - zumal als moderne Menschen - solchen Zeugnissen Glauben schenken? Das aufgeklärte Denken sagt Nein. Für Gerd Lüdemann zum Beispiel scheint es evident, dass infolge der 'Umwälzung des naturwissenschaftlichen Weltbildes... die traditionellen Vorstellungen von der Auferstehung Jesu als erledigt zu betrachten' seien... Aber was genau ist nun das 'naturwissenschaftliche Weltbild'? Wie weit reicht seine Normativität?..
Natürlich kann es keinen Widerspruch geben zu dem, was klare wissenschaftliche Gegebenheit ist. In den Auferstehungszeugnissen wird freilich von etwas gesprochen, was in unserer Erfahrungswelt nicht vorkommt. Es wird von etwas Neuem, bis dahin Einmaligem gesprochen - von einer neuen Dimension der Wirklichkeit, die sich zeigt. Das bestehende wird nicht bestritten. Es wird uns vielmehr gesagt: Es gibt eine Dimension mehr, als wir sie bisher kennen. Steht dies im Widerspruch zur Wissenschaft? Kann es wirklich nur das geben, was es immer gab? Kann es nicht das Unerwartete, das Unvorstellbare, das Neue geben? Wenn es Gott gibt, kann er nicht auch eine neue Dimension des Menschseins, der Wirklichkeit überhaupt schaffen? Wartet nicht eigentlich die Schöpfung auf diesen letzten und höchsten 'Mutationssprung'? Auf die Vereinigung des Endlichen mit dem Unendlichen, auf die Vereinigung von Mensch und Gott, auf die Überwindung des Todes?


In diesem Abschnitt spricht der Papst nicht einfach nur umgangssprachlich von einer neuen Dimension der Wirklichkeit, die zuvor nicht gekannt wurde, sondern er verwendet diesen Ausdruck in Bezug auf das naturwissenschafltiche Weltbild. In diesem Sinne sieht der Papst eben nicht diese einzigartige Auferstehung als jenseits des naturwissenschaftlichen Weltbildes, sondern er sieht diese Auferstehung als Teil eines nunmehr um weitere Dimensionen erweiterten Rahmen der naturwissenschaftlichen Wirklichkeit. Interessant ist dabei auch noch, dass damit ein evolutionärer Prozess der Mutationssprünge hin zur Unsterblichkeit beschrieben wird. Dies ähnelt wieder sehr dem Evolutionsprozess wie er bei Teilhard de Chardin hin zum Omega-Punkt Christi formuliert wird [2].

Wie kann man diese Erweiterung um eine neue Dimension der Wirklichkeit in unserem modernen Weltbild naturwissenschaftlich zum Ausdruck bringen? Vollkommen unabhängig von einander hat Dr. Michael König dies im Rahmen seiner Urwort - Theorie im quantentheoretischen Rahmen getan. Interssant ist auch, dass König nicht die Dogmen der katholischen Kirche vertritt, sondern losgelöst davon dennoch in der christlichen Kernbotschaft der Auferstehung Christi zu ähnlichen Einsichten kommt. In der konkreten Sprache der Physik beschreibt er dies wie folgt [3]:

Der Auferstehungsleib, bestehend aus Fleisch und Knochen, muss daher aus dem ursprünglich physischen Körper, den Jesus vor seiner Kreuzigung besaß, durch einen Transformationsprozess, der als Auferstehung bezeichnet wird, hervorgegangen sein. Eine besondere Eigenschaft des Auferstehungsleibes ergibt sich aus der Schilderung, wie Jesus den Raum, in dem sich seine Jünger aufhielten, betrat. Er kam nicht durch die Tür, sondern konnte einfach mitten in diesem Raum eintauchen. Dies kann nur damit erklärt werden, dass er aus einem transdimensionalen Bereich in diesen Raum innerhalb der äußeren Raumzeit zurückgekehrt ist. Das bedeutet, dass dieser unsterbliche Auferstehungsleib über mehr Freiheitsgrade verfügt als gewöhnliche Materie.
Ein solcher Auferstehungsleib stellt den Endpunkt der spritiuellen Transformation vom Moment der Erleuchtung bis zum Moment der vollständigen Erlösung des Körpers dar. Ab dann gibt es keine Bindung mehr an die Struktur der äußeren Raumzeit. Der erlöste und physisch unsterbliche Körper besitzt nun den Freiheitsgrad, sich vollständig in den Hyperraum zurückzuziehen und nach Belieben wieder in die äußere Raumzeit zurückzukehren.
Hier berichten die Evangelien des Neuen Testaments von der Himmelfahrt Jesu und von seinem Versprechen, er werde wiederkommen.


Damit ist im Rahmen der Urwort - Theorie genau die erhoffte Erweiterung des naturwissenschaftlichen Weltbildes vollzogen. Und es wundert nicht, dass im Rahmen eines solchen Weltbildes die Hinwendung zu Gott wie selbstverständlich enthalten ist. Als Schlusswort soll Michael König aus seiner quantenphysikalischen Erkenntnis heraus das Fazit ziehen [4]:

Während seines öffentlichen Wirkens als Heiler hat Jesus immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig ihm das innige Verhältnis und die persönliche Beziehung zu Gott seien. Durch die Hinwendung zu Gott war er in der Lage, den Weg von der Erleuchtung bis zur Umwandlung seines gesamten Körpers in einen unsterblichen Auferstehungsleib zu gehen.
Er hat damit demonstriert, welches spirituelle Potential in jedem Menschen steckt, und er ist diesen Weg bis zu seiner Vollendung gegangen. Ein Mensch, der heute diesen Weg von der Erleuchtung bis zur physischen Unsterblichkeit gehen will, kann sich also ohne weiteres ein Beispiel an Jesus nehmen. Und er kann durch das Hilfeangebot, das Jesus gemacht hat, diesen Weg in beschleunigter Form durchlaufen.


Literatur

[1] Jesus von Nazareth, Band II, Benedikt XVI., Herder Verlag, 2011, Seite 271

[2a] Teilhard de Chardin, Die lebendige Macht der Evolution, Walter Verlag Olten und Freiburg, 1967

[2b] Teilhard de Chardin, Wissenschaft und Christus, Walter Verlag Olten und Freiburg, 1970

[3] Das Urwort, Dr. Michael König, Scorpio Verlag, 2010, Seite 224f.

[4] ebenda, Seite 225

Freitag, Januar 07, 2011

Die Urwort - Theorie

Dr. Michael König hat in einem interessanten Buch, das ich nun gelesen habe und mich gedanklich weiterhin beschäftigt, seine innovative Urwort - Theorie eingeführt.

Er beschreibt die Struktur des G4-Raums der Heim-Theorie (siehe auch [1]) übereinstimmend mit Heim und Dröscher als übergeordneter vierdimensionalen Hyperraum, aber auch jene des Strukturraums S2 und des Informationsraums I2 zusammenfassend als eine innere vierdimensionale Raumzeit von Teilchen. Wobei diese innere Teilchenraumzeit eher eine 1+3 Aufteilung anstatt der 3+1-(Raum+Zeit)-Aufteilung unserer bekannten äußeren Raumzeit besitzt.

Interessant ist dieses Buch und seine Theorie aber nicht nur für Leute, die sich, wie ich, mit der Theorie von Burkhard Heim (1925 - 2001) beschäftigt haben. Diese Arbeit basiert auch auf die 'Komplexe Relativitätstheorie' des Nuklearphysikers Jean Emile Charon (1920 - 1998) [2], der eben jene inneren Raumzeiten von Teilchen propagierte und unter Benutzung von komplexen Koordinaten auch begründete.

König beschreibt den G4 als Hyperraum aus 4 Raumdimensionen mit einer punktsymmetrischen Quelle Lambda. Aus dieser Quelle gehen dann in vier unabhängigen Richtungen - den Raumdimensionen - Teilchen hervor, die er als Eta-Teilchen bezeichnet. Wegen der abgestrahlten Etas bezeichnet König die Quelle Lambda auch als ELI und setzt mit ihr Gott gleich, aus dem alles kommt. Diese Etas quantisieren zum einen die Raumstruktur aus eindimensionalen Entitäten und zum anderen können sie als freie Teilchen auftreten, die dann als Fermionen mit halbzahligen Spin auftreten und in unserer Raumzeit als Neutrinos in Erscheinung treten.

Das finde ich sehr interessant. Wenn man die Herkunft und vierdimensionale raumbildende Eigenschaft der Eta-(Struktur-)Teilchen bedenkt, kommt man leicht auf den Gedanken, dass es für die Neutrinos nicht nur drei Teilchengenerationen geben darf. Ferner wird sofort einsichtig, warum die Neutrinos zwischen den Generationen oszillieren, weil sie eben der einheitlichen Etateilchen-Quelle Lambda direkt entspringen.

Insofern lässt sich aus dem Urwort-Modell zumindest qualitativ eine entsprechend prüfbare Vorhersage erschließen. Dies erwähnt zwar nicht der Autor, aber ich bin der Meinung, dass es zumindest ein weiteres Neutrino-Teilchen neben Elektron-, Myon- und Tau-Neutrino geben muss, wenn die Urwort-Theorie korrekt ist.

Leider hat der Autor bislang auf einen Formelapparat verzichtet, aber aus den im Buch ausführlich dargelegten Überlegungen kann man dennoch Schlussfolgerungen ziehen.

Eine weitere ergibt sich aus dem Energiefluss der Eta-Teilchen, die nicht nur von der Quelle weg, sondern auch zu ihr hin fließen, wobei es einen Überschuss von wegfließenden Eta-Teilchen (oder genauer von Energie auf dem Eta-Teilchen) gibt. Deswegen beschreibt König die Eta-Teilchen als eine Art von Doppelvektoren.

Das ist wiederum spannend. Wenn man sich vorstellt, dass Spinoren im wesentlichen als eine Art Quadratwurzel von Vektoren aufgefasst werden können, dann schließen wir daraus, dass zumindest die Neutrinos in ihre eigenen Anti-Teilchen mit gegenläufigem Spin oszillieren können sollten, wobei dann aber eine Paritätsverletzung auftritt. Auch davon schreibt der Autor nichts. Das soll kein Vorwurf sein, ich will nur klarstellen, dass ich ihm nichts in den Mund - oder ins Buch - legen möchte. Somit habe ich zumindest zwei mögliche Experimental-Kriterien, um zu sehen, ob an der Theorie 'etwas dran' ist.

Um den Hyperraum zu komplettieren erkennt König, dass der erste Quantisierungsschritt der Eta-Teilchen Strukturflüsse erzeugt, die er Phi und Chi nennt, wobei gilt

div Phi = 0
rot Chi = 0

in Analogie zu magnetischen und elektrischen Feldern.

Im Übergang zur inneren und äußeren Raumzeit existieren dann sogenannte Theta - Wirbel, die durch das Paulische Ausschließungsprinzip bzgl. Fermionen erzeugt werden, wodurch Partialstrukturen einer zeitartigen Dimension (mit Orientierung von einem Anfang zu einem Ende und daher als Alpha und Omega bezeichnet) auftreten. Auf dem Buch-Cover sieht man dann das sich schematisch ergebende Uwort als 5x5-Matrix, wobei die zentrale innere 3x3-Matrix den G4 darstellt.



Neben der Physik nehmen auch philosophische Aspekte einen breiten Raum ein. So denkt König über einen persönlichen Gott nach, aber auch zu Fragen wie jener postmortaler Zustände des Bewusstseins und der Apokalypse. Wer aber die Aussagen Burkhard Heims dazu kennt, der wundert sich darüber nicht, sondern erwartet auch eine Beschäftigung mit solchen Fragen. Nun muss man gewiss nicht alle Interpretationen des Autors teilen und dennoch: Eine wirklich empfehlenswerte Lektüre, die zum Nachdenken anregt!

[1] Jenseits aller Kausalität, Klaus Lange

[2] Jean Emile Charon, Theorie de la relative complexe, Paris 1977

Sonntag, Juni 20, 2010

Jenseits aller Evolution: Kausalität

Grundlegende Fragestellungen

Eine wichtige Frage in der Evolutionsbiologie ist jene nach dem erstmaligen Erscheinen von Lebewesen. Wie konnte aus unbelebter Materie das erste Lebewesen entstehen? Diese Frage kann nicht im Rahmen der Evolutionsbiologie selbst geklärt werden, da Evolution per Definition nur in Lebewesen stattfindet und so diese Lebewesen eine Entwicklung erfahren. Tote Materie ist hingegen außerhalb der Biologie angesiedelt. Hier müssen Chemie und Physik Antworten liefern. Ein möglicher Ansatz kommt aus einer Richtung, die sich mit der Entwicklung des gesamten Kosmos beschäftigt.

Das Problem der scheinbaren Feinabstimmung der Kräfte und materiellen Bestandteile im Universum, um Leben zu ermöglichen, wird dadurch gelöst, dass man viele Universen annimmt, die zusammen ein Multiversum bilden, jedes aber für sich individuell eine autonome Entwicklung durchgemacht hat. Wenn also in einem Universum die Bedingungen für Lebewesen erfüllt sind, die sich fragen können, warum ihr Universum gerade so beschaffen ist die eigene Existenz zu ermöglichen, dann liegt das schlicht an die vielen Versen ím Multiversum, so dass zufällig auch die richtigen Beziehungen für Leben in eines der Versen auftraten.

Gegen die Existenz weiterer Versen mag man erst einmal nichts einwenden können. Eventuell sind nicht alle Parallelversen so autark wie es den Anschein hat, und es sind indirekte Einflussnahmen auf andere Versen möglich. Dennoch hat die Multiversentheorie ihre eigene Herausforderung zu bestehen. Die Frage stellt sich auf einer höheren Abstraktionsstufe neu. Diesmal nicht nach Leben - denn die sogenannte Feinabstimmung stellt sich gar nicht in dem gedachten Umfang, man muss nur gleichzeitig mehrere grundlegende Parameter (und nicht nur einen) ändern, um ein uns materiell und kräftemäßig ähnliches Universum zu erhalten [1] -, sondern die Frage stellt sich bezüglich der Kausalität.

Kausalität

In einem Universum können nur dann Wechselwirkungen stattfinden, wenn eine Reihenfolge festgelegt werden kann, in denen Prozesse ablaufen. Während man also viele Versen berechnen kann, in denen die meisten kein Leben - jedenfalls wie wir es uns auch nur vorstellen können - ermöglichen, einige aber zufällig doch alle grundlegenden Bestandteile zur Verfügung stellen, so bleibt die Frage, ob dies auch für die Kausalität an sich gilt. Der konsequent kosmologisch-evolutionäre Ansatz geht dabei davon aus, dass sich Kausalität in einem Universum selbst entwickelt, um dann die zeitliche Abfolge weiterer Prozesse zu ermöglichen.

Der Ansatz sich entwickelnder Kausalität wurde durch Stephen Hawkings Bestseller 'Eine kurze Geschichte der Zeit' berühmt [2]. Die Idee nutzt das Prinzip der Superposition. Jedes Objekt befindet sich in einem bestimmten Zustand. Während sich in der klassischen Physik dieser Zustand mit einer eindeutigen Menge von Zahlen beschreiben lässt, muss man sich in einer quantenphysikalischen Beschreibung ein Objekt nicht in einem einzigen Zustand befindlich vorstellen, welcher sich nachfolgend in einen anderen Zustand ändern kann, sondern es befindet sich quantenmechanisch stets in einer Überlagerung aller möglichen Zustände. Man sagt: Es befindet sich in Superposition.

Um das mit der Pfadintegralmethode von Nobelpreisträger Richard Feynman [3] auszudrücken: Ein Teilchen befindet sich nicht nur an einem präzisen Ort mit einer präzisen Geschwindigkeit, sondern es befindet sich in einer Überlagerung gleichzeitig an allen möglichen Orten mit allen möglichen Geschwindigkeiten und man muss für den Ort und die Geschwindigkeit des Teilchen einen gewichteten Mittelwert ansetzen. So lassen sich Wahrscheinlichkeiten berechnen, um das statistische Auftreten von Teilchen zu ermitteln. Dieses Superpositionsprinzip kann man auch auf das gesamte Universum anwenden: Dann besteht die Superposition nicht aus unterschiedlichen Teilchenbahnen, sondern aus allen unterschiedlich möglichen Gestalten der Raumzeit.

Vierdimensionale Raumzeit

Mit den in den 1990er Jahren einziehenden computertechnischen Entwicklungen gelang es, diesen Ansatz in allen Facetten zu simulieren: Während die klassiche Relativitätstheorie überlagernde Raumzeitgestalten nicht zu behandeln vermag, konnte dies mit der euklidischen Quantengravitation an den Hochleistungsrechnern geleistet werden. Dabei gab es eine große Überraschung. Wenn man keine Restriktionen am Modell vornimmt, um wirklich alle möglichen Raumzeitgestalten einfliessen zu lassen, dann resultieren stets zwei große Gruppen von Universen: Entweder es ergibt sich eine Raumzeit, die sehr dünn und ausgedehnt ist und nur aus zwei Dimensionen besteht. Oder aber der gesamte Raum faltet sich dermaßen zusammen, dass ein Knäuel mit unebdlich vielen Dimensionen entsteht.

Dieses Ergebnis zeigt somit auf, dass es eine flache vierdimensionale Raumzeit, wie wir sie bewohnen, in keinem Fall geben dürfte. Auch die mannigfaltigen Möglichkeiten eines Multiversums können an diesem Tatbestand nichts ändern. Wohlgemerkt: Dies gilt dann, wenn man eine wirklich offene Entwicklung ohne Zusatzannahmen - die quasi künstlich hinzugegeben werden müssten - modellieren möchte. Daher ging man nach diesem Ergebnis einen anderen Weg und überlegte sich, welche Restriktionen notwendig seien, um unsere vierdimensionale flache Raumzeit zu erhalten.

Eine neue Simulationsrechung zeigt einen Ausweg. Dieser Ausweg bedingt aber ein vollkommenes Umdenken in der Bewertung bisheriger Wissenschaftsdogmen, auch wenn die beteiligten Forscher dies nicht zu bemerken scheinen. Sie stellen nur fest [4]:

Die Universen, die in die euklidische Superposition eingehen, haben vier räumliche Richtungen statt wie üblich eine für die Zeit und drei für den Raum. Da euklidische Univsersen keinen deutlichen Zeitbegriff haben, fehlt ihnen eine Struktur, um Ereignisse in eine spezielle Ordnung zu bringen. Hawking und andere Anhänger dieses Ansatzes meinten, die Zeit sei 'imaginär' - sowohl im mathematischen wie im umgangssprachlichen Sinn. Sie hofften, mikroskopische Quantenfluktuationen, die für sich genommen keine kausale Struktur enthalten, würden die Kausalität als großräumige Eigenschaft hervorbringen. Doch Computersimluationen haben diese Hoffnung zerschlagen.


Immaterielle Konstruktion

Dieses Ergebnis muss in seiner philosophischen und naturwissenschaftlichen Tiefe erst noch aufbereitet werden, doch sicher ist, dass es ohne weitere immateriellen Größen zur Strukturdeterminierung des Universums nicht geht. Kausalität muss künstlich hinzugefügt werden und kann auch nicht im Rahmen eines Multiversums durch Evolution und ein Überangebot von Zufallsvarianten erklärt werden!

So berichten die Autoren von ihrem Erfolg [5]:

Der Fachausdruck für unsere Methode lautet kausale dynamische Triangulation. Dabei weisen wir zunächst jedem Vier-Simplex einen Zeitpfeil zu, der von der Vergangenheit in die Zukunft weist. Dann erzwingen wir kausale Kleberegeln: Zwei Simplices müssen so verklebt werden, dass ihre Zeitpfeile dieselbe Richtung haben. Den Simplices muss eine Zeit gemeinsam sein, die sich stetig in Richtung dieser Pfeile entfaltet und niemals stillsteht oder rückwärtsläuft... Man stelle sich unsere Begeisterung (2004) vor, als die Anzahl der Dimensionen vier betrug - genauer 4,02 +/- 0,1. Zum ersten mal hatte jemand die beobachtete Dimensionszahl aus Grundprinzipien hergeleitet. Bis heute (2010) ist der Einbau der Kausalität in die Computermodelle das einzige bekannte Mittel gegen die Instabilität überlagerter Raumzeitgeometrien.


Heims erweiterte Quantenfeldtheorie


So sehr man den Wissenschaftlern für ihre Simulationserfolge gratulieren kann, muss man korrekterweise festhalten, dass die Idee der Berücksichtigung zusätzlicher immaterieller Organisationsstrukturen für den Aufbau der vierdimensionalen Raumzeit schon seit den späten 1950er Jahren vom 2001 verstorbenen Burkhard Heim erarbeitet wurde [6]. Heim erkannte mit seiner Dimensionsformel [7], dass für eine vierdimensionale Raumzeit mindestens zwei weitere immaterielle Dimensionen, die selbst nicht raumzeitlich sind, existieren müssen. Diese nannte er den Strukturraum, der den Organisationsgrad der Materie enthält, wobei auch die Kausalität als richtungssteuernde Abfolge grundlegend ist. Seine Ausarbeitungen waren von so einer stringenten Konsequenz, dass er auch weitere Informationsdimensionen als existent erkannte. In unserer Zeit hat erst wieder Nobelpreisträger Anton Zeilinger die Existenz einer immateriellen Informationsebene in die breite Diskussion eingebracht [8].

Burkhard Heims Theorie ist dabei noch erfolgreicher, da er nicht einfach solche immateriellen Strukturen postulierte und dann nachrechnete, ob sie für unsere Raumzeitform Relevanz besitzt. Sondern er zeigte ausgehend von der Allgemeinen Relativitätstheorie, dass es neben den dort formulierten zwei Äquivalenzprinzipien, noch eine dritte geben muss, und zwar die Äquivalenz zwischen Energiedichtetensor und dem Ricci-Tensor, der für die rein geometrische Beschreibung der Raumkrümmung zuständig ist. Da nun aber für die Energie ein Wirkungsquantum existiert, muss diese Quantisierung auch in der Geometrie der Raumzeit als Wirkungsrealität herangezogen werden. Während die zitierten Autoren in ihrer Arbeit eine reale Quantisierung der Raumzeit derzeit nicht erkennen, und somit ihre Triangulierung allein zur Konstruktion der Kausalität heranziehen [9], erkannte Burkhard Heim aus diesem dritten Äquivalenzprinzip die Existenz kleinster Flächen mit Gravitationswirkung aus denen die Raumzeit besteht.

Aufgrund der Existenz kleinster Flächen müssen daher alle Berechnungen im Rahmen der Differenzenrechnung und nicht mehr mit der Differentialrechnung duchgeführt werden. Dies ist mehr als nur eine Änderung der Formelbezeichnungen, was leider oft unterschätzt wird. Vielmehr führt dies zu einer Modifizierung des Newtonschen Gravitationsgesetzes für sehr sehr kleine aber auch für sehr große Abstände. Ferner führten diese Überlegungen gleichsam zu den immateriellen Organisationsstrukturen und ihrer fundamentalen Bedeutung für unsere vierdimensionale Raumzeit.

So ergab sich aus diesen immateriellen Strukturen die Existenz unterschiedlicher parallel existierender Universen. Wobei Heim selbst die gesamte Struktur aller Varianten als Gesamtuniversum bezeichnete (was heute als Multiversum gängig ist) und die darin existierenden Universen als Subuniversen kennzeichnete. Heim erkannte also als erster, dass nicht die Existenz eines Multiversums so etwas wie Kausalität oder Leben ermöglichte, sondern die Existenz immaterieller Strukturen wie Ordnungsebenen und Informationsebenen ermöglichen erst Kausalität und Leben und auch die Existenz paralleler 'Universen'.

Paradigmenwechsel

Das Problem, das Burkhard Heim zeitlebebens hatte, war, dass er in seiner Konsequenz auch vor jenen Fragen nicht zurückschreckte, die bei der Existenz immaterieller Realitäten auf der Hand liegen. Die Fragen nach der Herkunft dieser immateriellen Daseinsformen, nach Bewusstsein, dessen postmortalen Zuständen und der Frage nach einer denkenden immateriellen Instanz, die allgemein auch als Gott bezeichnet wird, blendete er nicht aus. Seine Antworten regen bis heute zur Diskussion an. Der besprochene notwendige Kunstgriff bei der Hinzufügung der Kausalitätsstruktur zeigt, dass die Beantwortung dieser Fragen sowie die erneute Hinwendung zur erweiterten Quantenfeldtheorie von Burkhard Heim im Rahmen der interdisziplinären Arbeit von Natur- und Geisteswissenschaften überfällig ist.

Ein weiteres Problem für die Bewertung der Heimschen Quentenfeldtheorie liegt in der Ausdrucksweise seiner Beschreibungen. Burkhard Heim war aufgrund starker Behinderungen zu einem sehr isolierten Arbeiten gezwungen. Dies führte dazu, dass er eigene Begrifflichkeiten auch für schon bestehende mathematische und physikalische Strukturen gebrauchte. Leider werden diese heute auch noch von vielen seiner Fürsprecher benutzt, so dass ein Austausch mit der übrigen Fachwelt schwierig ist. Ein anderer Grund liegt aber auch auf philosophischem Gebiet. Hier benutzte Burkhard Heim - und benutzen heute seine Anhänger - jene durch die Philosophin Hedwig Conrad-Martius (siehe [10] bis [15]) Ende der 1950er Jahre eingeführte Begrifflichkeiten, die heute nicht mehr eingängig sind. Doch genau die von ihr verwendete phänomenologische Methode ist notwendig, um angesichts aktueller Diskussionen in der Wissenschafttheorie wie auch in den verschiedenen Disziplinen der Naturwissenschaft selbst voran zu kommen. Es braucht wieder einen Paradigmenwechsel. Oder wie Hedwig Conrad-Martius dies zu formulieren pflegte [16]:

Nicht die Dinge zu belehren, sondern ihnen zuzuhören und sich von ihnen belehren zu lassen!



Quellen und vertiefende Literatur

[1] Alejandro Jenkins, Gilad Perez, Leben im Multiversum, Spektrum der Wissenschat 05/10, Seiten 24 - 31

[2] Stephen Hawking, Eine kurze Geschichte der Zeit, Rowohlt 1991

[3] Richard P. Feynman, QED - Die seltsame Theorie des Lichts und der Materie -, Piper 1990

[4] Jan Ambjorn, JerzyJurkiewicz, Renate Loll, Das fraktale Quantenuinversum, Spektrum der Wissenschaft Dossier 02/10, Reise durch das Quantenuniversum, Seiten 17f.

[5] a.a.0. Seite 18

[6] Walter Dröscher und Burkhard Heim, Strukturen der physikalischen Welt und ihrer nichtmateriellen Seite, 1996

[7] Burkhard Heim, Elementarstrukturen der Materie Bd.1, 1998, Seite 48

[8] Anton Zeilinger, Einsteins Schleier, Goldmann 2005, Seiten 207ff.

[9] Artikel in [4], Seite 16

[10] Hedwig Conrad-Martius, Der Selbstaufbau der Natur, Entelechien und Energien, Hamburg 1944

[11] Hedwig Conrad-Martius, Bios und Psyche, Hamburg 1949

[12] Hedwig Conrad-Martius, Die Zeit, Müchen 1954

[13] Hedwig Conrad-Martius, Das Sein, Müchen 1957

[14] Hedwig Conrad-Martius, Der Raum, Müchen 1958

[15] Hedwig Conrad-Martius, Die Geistseele des Menschen, Müchen 1960

[16] Zitiert nach Ursula I. Meyer: Die Welt der Philosophin, 4.Teilband, Aachen 1998, Seite 108

Dienstag, Mai 11, 2010

A. sediba: Die kreationistische Interpretation

Ein Fossilfund sorgte in letzter Zeit für einiges an Diskussion - gerade auch unter Kreationisten. Auf PandasThumb wurden einige dieser Reaktionen kommentiert. Baramin/Grundtyp Mensch oder Australomorphe? Das ist die Preisfrage.
Ich wollte an dieser Stelle vor allem auf zwei ernstzunehmendere Stellungnahmen von kreationistischer Seite hinweisen, die über das AIG/ICR-Niveau hinausgehen:
Zum einen Michael Brandt von Wort und Wissen auf Genesisnet. Nachdem er viel über die Bedeutung von A. sediba im Rahmen des Evolutionsparadigmas geschrieben hat, kommt er zu der Schlussfolgerung:
Die Verwandtschaftsverhältnisse der fossilen Homininen mit ihren mosaikartigen Merkmalsverteilungen und der großen Kluft zwischen den echten Menschen und allen anderen Homininen können besser in einem Grundtypmodell als in einem phylogenetischen Modell verstanden werden. In diesem Modell repräsentieren die Australomorphen („Vormenschen“) einschließlich habilis und rudolfensis einen oder mehrere großaffenähnliche Grundtypen, während die echten Menschen einen davon unabhängigen Grundtyp bilden.
Brandt problematisiert in seinem Text lediglich die phylogenetische Einordnung und meint diesen Aspekt vor einem polyphyletischen Hintergrund besser erklären zu können. Er erwähnt jedoch leider nicht, dass dieses Modell in unzählbaren anderen Aspekten ohne Erklärung dasteht. Doch das sei an dieser Stelle nicht weiter thematisiert. Bedeutender ist: Brandt argumentiert konstant im bisherigen Rahmen, wie er von ihm und Hartwig-Scherer bei "Wort und Wissen" erarbeitet wurde (btHomo und Australomorphen als separe[r] Grundtyp[en]).
Dieser 'klassischen' kreationistischen Position widerspricht Todd Wood in einem jüngst erschienen Aufsatz jedoch gleich in mehreren Punkten:
In contrast to many creationist claims, however, the present results indicate that Homo habilis, Homo rudolfensis, and—most surprisingly—Australopithecus sediba belong in the human holobaramin.
Leider berücksichtigt Brandt die Arbeit von Todd Wood in seinem Genesisnet-Beitrag nicht, obwohl diese gut fünf Tage früher veröffentlicht wurde.
Dies muss und wird jedoch in Zukunft (spätestens bei der sicher zu erwartenden SIJ-Version) geschehen, wie ich vermute.

Und damit wird das Ganze überhaupt erst richtig spannend (zumindest für diejenigen, die sich für den Kreationismus interessieren):

Gerade hier sehe ich für die Vertreter der Grundtypenbiologie ein großes Problem: Die 'Baraminology' verwendet nicht einfach eine etwas andere (von bt-Biologen kritisierbare) Methode zur Identifizierung der 'geschaffenen Arten' - vielmehr hat sie eine ganz andere theologische Basis, als die (kreationistische Interpretation der) Grundtypenbiologie. Bisher konnte man problemlos kreationistenintern über die Zugehörigkeit zur selben geschaffenen Art diskutieren, ungeachtet dessen, ob man Baraminologist oder Grundtypen-Vertreter war. Nun gehen die Positionen jedoch immer weiter auseinander. Wood spekuliert über die Singvögel als ein einziger Baramin - im Rahmen der Grundtypenbiologie würde man das wohl viel eher als Falsifikationskriterium und Ende des Paradigmas betrachten. Andere Autoren reden von der Evolution ganzer Klassen und noch mehr. So langsam zeigen sich die von mir betonten grundsätzlichen Differenzen auch auf einer inhaltlichen Ebene, so dass nicht mehr einfach paradigmenintern diskutiert werden kann. Die Grundtypenbiologie steht damit vor der Herausforderung, dass sie immer schwieriger zu baraminologischen Aussagen Stellung beziehen kann, ohne die eigene Herangehensweise auf ganz grundsätzlicher Ebene verteidigen zu müssen. Diese Auseinandersetzung darf für die nächste Zeit wohl erwartet werden und ich bin gespannt, wie die Vertreter der Grundtypenbiologie argumentieren werden. Meiner persönlichen Einschätzung nach dürften sie es dabei schwer haben, da die Baraminologen in meinen Augen hier die Nase klar vorn haben:. Es wäre wohl falsch zu sagen, dass sie die besseren Argumente in der theologischen Diskussion haben. Vielmehr ist es so, dass es bisher keine theologisch-relevante Diskussion zwischen Grundtypenvertretern und Baraminologen gibt und letztere in meinen Augen schlichtweg Aspekte berücksichtigt haben, welche in der (kreationistisch verstandenen) Grundtypenbiologie einfach nicht berücksichtigt wurden. Aus diesem Grund würde es mich auch wundern, wenn es nun gelänge, die 'reformierte' Bewegung wieder vom gemeinsamen Ausgangspunkt zu überzeugen. Aber wir werden sehen, ob ich damit Recht behalte.